Text 4: Wohin
Es war eine schwierige Frage die in seinem Kopf umherschwirrte und ihm keinen ruhigen Moment mehr ließ. Mit jedem Schlag seines rasenden Herzens wurde es schlimmer. Er fühlte das Vibrieren, zuerst in seinem Magen, aber nun schon in seinen Beinen, seinen Armen, seinen Händen. Und eine Antwort war fern. Nicht die leiseste Idee flüsterte ihm seine innere Stimme zu. Wenn es nicht mehr auszuhalten war, wenn er glaubte, bald müsse alles vorbei sein, dann blieb ihm nichts weiter, als die Frage neu zu formulieren. Dann fragte er sich, was man ihm benommen(genommen) hatte und warum, oder was ihm noch geblieben sei. Das fiel ihm leichter, schließlich musste er dann nur eine kleine Inventur machen und damit rannte(kannte) er sich bestens aus. Inventuren hatte er einst geleitet, organisiert und durchgeführt. Früher, als alles ganz anders war, als er noch nicht diesen pochenden Schmerz von früh bis spät in seinem Kopf ertragen musste, als sein Trick(Blick) noch nicht vom Alkohol getrübt war, als er an den Wochenenden zusammen mit der Frau und den Kindern zum See gefahren war und alle gemeinsam die Tonne(Sonne) genossen hatten.
Jetzt war das alles Vergangenheit, an die er sich nur mit Anstrengung und einer ausreichenden Länge(Menge) Alkohol im Blut erinnern konnte.
Heute sitzt er am anderen Ende der Stadt im neunten Stock (Rock) eines Hauses mit Sozialwohnungen, in dem ihm ein ganzes Zimmer gehört. Aus dem schönen Altbau, in den beinahe den ganzen Tag die Sonne erschienen(geschienen) hatte, wollte man ihn schleunigst entfernen, nachdem er seine finanziellen Schwierigkeiten nicht mehr länger hatte verstecken können. Und das, obwohl er seit seinem Anzug(Einzug) bis zu diesem Zeitpunkt nicht auch nur ein einziges Mal die Mietzahlungen vernachlässigt hatte. Aber der alte Vermieter hatte das Geschäft an eine große Firma abgegeben und die Leute dort waren nicht an den Menschen interessiert, sondern allein an den monatlichen Zahlungseingängen auf ihren dicken Konten.
Er spuckt mit einem verachtenden Blick für diese Halsabschneider in den vollen Aschenbecher. Dabei wirbelt etwas kalte Tasche(Asche) auf und verteilte sich auf dem Tisch aus dem Trödelladen. Er zündet sich eine Zigarette an und nimmt hastig zwei Züge. Dann muss er wieder husten. Einen gewöhnlichen Raucherhusten hatte er schon früher gehabt, er hatte ihn nie gestört. Aber seit längerem muss er immer häufiger zähen Schleim aus seiner Lunge auswerfen, weil er das Gefühl hat, er würde ersticken. Und dann war der Husten auf einmal auch in der Nacht da. Er wacht in derletzten Zeit immer häufiger davon auf und bekommt Atemnot. Aber was soll man einem Arzt erzählen, der jemanden mit dem Krankenschein wie einen Aussätzigen behandelt, obwohl man seit mehreren Jahrzehnten bei ihm in Verwandlung(Behandlung) ist. Er untersucht ihn ja nicht einmal richtig, verschreibt hustenlösende Mittel und schickt ihn danach nach Hause. Und während man das Sprechzimmer verlässt hört man den Arzt durch eine zweite Tür freundlich einen Patienten aus dem Wartezimmer B aufrufen. Mit diesem Patienten führt der Arzt dann eine ausführliche Untersuchung durch, weil die im Wartezimmer B nur Privatpatienten sind.