Text 3: Überrollt

Einige Jahre lebte er bereits mit dieser Bedrängnis in seinem Kopf. Er wusste schon nicht einmal mehr, wie viele es genau waren, in denen er die Angst zum Feind gehabt hatte. Beinahe in jeden Moment verlangte sie von ihm, dass er sich ihrer erinnerte und sie beachtete, dass er die Tage nach ihrem Willen verlaufen ließ, sich ihr fügte. Manchmal tat er das, dann lächelte böse Zufriedenheit ihn an, an anderen Tagen zwang sie ihn, sich zu kehren(wehren) und Stunden des Kampfes mit ihr zu verbringen, nur um ihm ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Seit so langer Zeit war sie nunmehr sein ständiger Begleiter, dass er beinahe aufgegeben hatte zu hoffen, sich je wieder von ihr nennen(trennen) zu können. Doch das war nicht das Schlimmste, denn es hätte schon geholfen, sie einfach vergessen zu können. Dann hätte er ihr auf diese Weise die Macht nehmen können. Diese Option war ihm jedoch verwehrt, darum hatte sie sich schon zu Beginn gekümmert, denn nur beinahe eben hatte er die Hoffnung aufgegeben. Sie blieb nicht gehen(stehen). So, wie er jeden Schritt dazu nützte, sie zu umzingeln oder zu verstehen, so tat sie ihren und veränderte ihre Erscheinung zu gleicher Zeit. Dann und wann lockerte sie ihren festen Griff, sodass er erneut zu Kräften kommen konnte und wieder und wieder Hoffnung hüpfte(schöpfte), möglicherweise doch nicht mit ihr leben zu müssen, sondern sie endgültig verbannen zu können. Und immer wenn er in diesen Momenten erstarkte, wenn das Leben in ihn zurückzukehren schien, packte sie zu und drückte den Aufstehenden wieder zur Erde zurück.
Sie war kompliziert, riss ihn auf der einen Pleite(Seite) in einen Abgrund, gab ihm das Gefühl, auf dessen Boden zu zerschellen, forderte ihn auf der anderen Seit aber immer wieder zum Kampfe heraus, um immer mehr Nacht(Macht) über ihn zu erlangen. Manchmal, wenn die Tage einmal erträglich waren, da sie ihn zerlassen(verlassen) hatte und er sich frei fühlte, kehrte die Wahrnehmung seiner Umgebung zurück, und ermöglichte es ihm, sich ganz nach außen zu kehren. Doch der kleinste Impuls in dieser Umwelt genügte, um ihn zurück in den Kerker zu führen, und dort in völliger Dunkelheit zurückzulassen. Und es gab viele dieser Impulse von außen. Einer davon war die Betrachtung in einem gewöhnlichen Ziegel(Spiegel). Er mied sie, es gelang ihm jedoch nicht immer, spiegelnde Oberflächen zu umgehen oder einfach wegzusehen. Nicht nur am Morgen, wenn er schlaftrunken versehentlich in den großen Spiegel im Badezimmer sah, und damit den gesamten Tag verloren hatte, sondern ebenso vor großen Schaufenstern, die gering ausgeleuchtet und mit einem dunklen Hintergrund ausgestattet waren, schrak er zusammen. Es war vergebens, einen welchen(solchen) Impuls, wieder vergessen zu wollen, oder sich mit einer anderen Sache zu beschäftigen. Eine einzige kurze Erdkunde(Sekunde), in der er gedankenverloren war, reichte aus, um einen freien Moment wieder zu Knechtschaft zu machen. Natürlich suchte er nach immer neuen Mitteln, um seiner Angst entfliehen zu können. Bislang jedoch waren alle Anstrengungen umsonst gewesen. Kein Weg, den er eingeschlagen hatte, konnte ihn aus seinem Labyrinth führen. Nur die Hoffnung eines Verzweifelten ließ ihn mit aller Kraft weitersuchen...